Das kennen wahrscheinlich alle Mütter von kleinen Kindern… Kaum hat man ein neues Kleidungsstück für den kleinen Racker oder die Prinzessin gekauft, da ist es auch schon wieder zu klein.

Meine Schwester hat neulich ein Shirt für ihren Sohn von einer Freundin gekauft. Zuhause hat sie dann festgestellt, dass es Finn an den Armen schon deutlich zu kurz ist und auch unten war es durchaus schon knapp. Als sie mir das fast schon traurig erzählte, hab ich nur gesagt, dass man das ja problemlos verlängern kann. Und weil sie mich da so ungläubig angeschaut hat, habe ich heute ein kleines Tutorial für Euch. Für viele, die schon lange nähen, ist das natürlich nichts Neues, aber vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen Anfänger.

Grundsätzlich kann man zu kurze Shirts oder Pullover nochmal verlängern, indem man die Bündchen abtrennt oder den Saum aufmacht und dann längere Bündchen annäht. Da mir bei diesem Shirt aber eine andere Idee gekommen ist, zeige ich Euch die. So sieht nachher keiner, dass das ursprünglich anders war und das Lieblingsshirt bekommt nochmal ein neues Gesicht.

Zunächst habe ich mir das Shirt genau angeschaut und dann entschieden, das dunkelblau aus dem Schriftzug aufzugreifen. Ich habe ja neulich bei dem Pinguinshirt und bei dem Hasenshirt schon einen dreiteiligen Ärmel genäht und da mir das super gefällt, habe ich mich für diesen Look entschieden. Der Vorteil an der Methode, das Shirt in der Mitte des Ärmels zu verlängern, ist, dass der ursprüngliche Saum erhalten bleibt. In dem Fall hatte das Shirt gecoverte Säume und da war ich mir einfach nicht sicher, ob das mit einem Bündchen gut ausgesehen hätte.

Dunkelblaue Jerseyreste hatte ich noch. Der erste Schritt braucht etwas Mut. Ihr müsst den Ärmel etwa in der Mitte durchschneiden. Als ich das hatte, habe ich den Jerseystreifen abgemessen – er sollte ungefähr die gewünschte Länge der Verlängerung plus vier Mal die Nahtzugabe haben. Wieso vier Mal? Ihr näht den Streifen ja unten und oben an und dabei geht nicht nur die Nahtzugabe am blauen Stoff weg, sondern der grüne verkürzt sich ja auch um die Nahtzugabe. Bei einer gewünschten Verlängerung von 6 cm und 0,75 cm Nahtzugabe müsste Euer Streifen also 9 cm ( 6 cm + 4*0,75 cm) hoch sein. Die Breite des Streifens sollte im Stoffbruch gelegt etwas breiter als Eure Ärmel an der breitesten Stelle sein.

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Ich habe dann den Streifen so angelegt, dass er am Stoffbruch jeweils bündig zum grünen Stoff lag. Dann habe ich mir mit Kreide die Linie angezeichnet, an der später die Naht sein soll. Dazu habe ich einfach die Innennähte der grünen Ärmelteile miteinander verbunden. Dann habe ich im Abstand meiner Nahtzugabe mein Lineal angelegt und dort abgeschnitten. Man könnte da aber auch eine weitere Markierung anbringen und das dann mit der Schere abschneiden.

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Anschließend habe ich die blauen Einsätze jeweils zum Ring geschlossen (so, wie Ihr das bei einem Bündchen macht). Dann habe ich den blauen Stoff rechts aus rechts in den Ärmel eingesteckt, dabei darauf geachtet, dass die Nähte später genau aufeinandertreffen und dann wie ein Bündchen eingenäht. Das habe ich einmal unten (an der engeren Stelle des blauen Stoffes) und einmal oben (an der breiteren Stelle des blauen Stoffes) gemacht. Und natürlich bei beiden Ärmeln.

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Dann sah es schon mal so aus – die Ärmel waren auf Wunschlänge und durch die zweite Farbe sieht das Shirt sogar interessanter aus.

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Die nächste Überlegung galt dem Saum, denn auch dort sollte ja Länge dazukommen. Auch hier habe ich mich gegen das Bündchen entschieden. Weil ich zu dem Zeitpunkt aber die ursprüngliche Covernaht schon aufgetrennt hatte, hatte ich genau dadurch eine gute Idee. Denn einen neuen Saum hätte ich nun ja in jedem Fall wieder machen müssen – in meinem Fall mit einer Covermaschine, aber das geht natürlich auch mit Zierstichen auf die gleiche Weise.

Ich habe mich für eine Lagenlookoptik entschieden und dazu erst einmal einen Streifen geschnitten, dessen Höhe bei mir die gewünschte Verlängerung (ca. 5 cm) plus Saum (2 cm) und dann noch rund 2-3 cm für den Ansatz unter der grünen Saumnaht  war. Davon habe ich zwei Mal die Breite des Shirts plus je 2 Mal Nahtzugabe abgeschnitten. Auch diese beiden blauen Streifen habe ich wieder zum Ring geschlossen.

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Unten an dem blauen Stück habe ich dann ganz normal einen Saum gemacht – ganz genau so, wie ich es bei einem normalen T-Shirt auch machen würde. Ich mache sowas mit meiner Cover, aber wie gesagt, das geht auch mit einem Zierstich.

Dieses nun gesäumte Stück habe ich dann so in das grüne Stück reingesteckt, dass unten überall meine gewünschten 5 cm Verlängerung übrigblieben. So habe ich das dann mit Stecknadeln fixiert. Und dann durch diese insgesamt drei Lagen (unten einlagig der blaue Stoff mit der rechten Stoffseite nach oben und darüber dann der umgeschlagene Saum des grünen Shirts) gecovert – auch hier geht wieder alternativ ein Zierstich. Dadurch habe ich gleichzeitig die sichtbare Naht am grünen Saum und das Zusammennähen mit dem blauen Stoff erledigt. Von innen habe ich dann noch den blauen Stoff grob zurückgeschnitten und dann sieht es so aus:

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Von außen kann man nun den neuen Look des Shirts schon ganz gut erahnen.

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Hier seht Ihr nochmal, wieso ich mich für die dunkelblaue Farbe entschieden habe – ich finde das im Zusammenspiel mit dem Aufdruck sehr harmonisch und passend.

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Das war das Shirt nach der Verlängerung – ganz anders, aber sogar noch cooler als am Anfang.

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Und vor allem deutlich länger. Die Arme haben nun sogar noch eine leichte Wachstumsreserve und auch unten ist nun genügend Länge da, um auch beim Toben nicht im Freien da zu stehen.

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Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem Beispiel ein bisschen Mut machen, die Lieblingsstücke Eurer Kids um eine Größe zu verlängern. Das ist echt nicht schwer und hilft nicht nur dem eigenen Geldbeutel, sondern auch noch der Natur, weil dadurch Ressourcen geschont werden.

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Meine Schwester war jedenfalls sehr begeistert und der Nachbarin hat das “neue” Shirt auch gut gefallen. Sie meinte dann noch, dass man auf diese Art ja im Grund alle Kleidungsstücke verlängern könnte. Und wenn man nähen kann, stimmt das auch.

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