Über Leonies Taufe habe ich mir schon in der Schwangerschaft Gedanken gemacht. Dabei war sofort klar: Das Taufkleid wollte ich auf jeden Fall selbst nähen.

Durch die anstrengenden erste Monate und den Umzug kam ich nicht zum Nähen. Deshalb war es eine große Herausforderung. Denn unsere Maus wurde schon am 8. Mai und damit nur 3 Monate nach ihrer Geburt getauft. Das war mir wichtig, hatte aber auch Auswirkungen auf die Planung des Kleides.

Ein Taufkleid, das bequem und festlich ist

Denn weil sie noch so klein war und bis dahin ausschließlich sehr weiche und bequeme Kleidung getragen hatte, wollte ich ein Taufkleid, das vor allem gut sitzt und nicht einengt. Sie sollte sich darin bewegen können und wohl fühlen.

Andererseits wollte ich natürlich ein besonderes Taufkleid für sie nähen – sonst hätte ich ja auch einfach eins kaufen können. All meine Liebe und Herzblut sollte darin stecken und es sollte natürlich bei aller Bequemlichkeit trotzdem sehr festlich und edel aussehen.

Deshalb habe ich mich entschieden, das Kleid aus einem weißen Singlejersey von Trigema zu nähen und diesen zusammen mit weißer elastischer Spitze zu doppeln und das als eine Lage zu verarbeiten. An diesem Ausschnittsbild könnt Ihr das ganz gut sehen:

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In dieser Aufnahme gegen das Sonnenlicht seht Ihr vielleicht auch, wieso mir diese Stoffwahl so gut gefallen hat. Das wirkt wirklich edel und festlich und kein Mensch vermutet, dass das ein Jerseykleidchen ist, bei dem nichts zwickt und zwackt.

Der Schnitt:

Die Schnittwahl war durchaus schwierig. Es musste ein Ebook sein, weil meine Nähhefte da noch in Umzugskisten lagerten. Es sollte lange Ärmel haben und einen weiten Rock. Viele Jerseykleider waren nur Hängerchen oder erst ab Größe 74 oder noch größer. Ich brauchte aber eins in Größe 62. Gefunden habe ich dann den Schnitt Fidelia von Erbsünde. Aber schon die Schnittteile haben mich stutzig gemacht. Die Ärmel sahen seltsam aus und mein Probekleidchen aus Jersey hat mir deshalb auch von der Passform nicht gefallen.

Letztlich habe ich dann durch viele liebe Tipps im Hobbyschneiderinnenforum zum Bodykleidchen von Schnabelina gefunden. Nachdem ich ja den Regenbogenbody liebe und die Passform sensationell finde, war das eine gute Wahl. Ich habe allerdings einige Änderungen vorgenommen:

  • Ich habe das Oberteil um ca. 2-3 am verlängert und das Unterteil vom Body um diese 2-3 cm verkürzt, so dass das Röckchen ungefähr 2 cm über dem Nabel anfängt.
  • Zudem habe ich das Rockteil um 5 cm verlängert und die Ärmel auch um 3 cm, weil in dem Ebook von Schabelina mit Bündchen gearbeitet wird und ich es lieber säumen wollte.
  • Den Rock habe ich vom Kleidchen Fidelia übernommen, weil mir die weitere Form besser gefiel und ich den Schnitt ja eh schon gekauft hatte. Allerdings war der Rocksaum dann 111 cm breit und ich hatte zu wenig Zierborte gekauft. Deshalb habe ich den Rock dann wieder etwas schmäler gemacht, so dass ich auf ca. 100 cm Rocksaum kam.

Die Verarbeitung:

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Die Säume an den Ärmeln und am Halsausschnitt habe ich von Hand gesäumt, so dass sie von außen unsichtbar wurden. Durch das doppelte Material ging das ganz prima. Ich wollte nicht, dass eine Stepp-, Zier oder Covernaht die Optik des Kleides stört.

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Hier seht Ihr die Zierborte, die ich am Rocksaum aufgesteppt habe. Sie gibt dem Taufkleid einen schönen Abschluss.

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Durch den eingenähten Body blieb das Kleid da, wo es hingehört. Denn das ist ja das Problem bei Kindern, die noch getragen werden. Da rutscht das Kleidchen ganz schnell Richtung Achseln hoch. Den Bodyeinsatz habe ich nur aus dem Jersey genäht, denn der war ja von außen eh nicht sichtbar.

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Ich habe mich für die im Ebook beschriebene Variante mit Knopfleiste an der Schulternaht entschieden. Damit man davon so wenig wie möglich sieht, habe ich (zum ersten Mal) mit annähbaren Druckknöpfen gearbeitet.

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Im Forum gab es eine ausführliche Diskussion über Auflegekleider, lange Kleider und eben ein Taufkleid wie dieses hier. Ich finde die langen auch sehr schön. Aber die Oma hatte für ihr Enkelkind ganz zuckersüße Schühchen zur Taufe gehäkelt und die wollte ich auf keinen Fall unter einem langen Kleid verstecken.

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Das Ergebnis:

Mir war wichtig, dass es ein Kleid ist, das sie den ganzen Tag tragen kann. Auch deshalb sollte es ja besonders bequem sein. Und dieses Konzept ist super aufgegangen. Leonie war ein ganz bezaubernder Täufling und hat das ganze Prozedere mit einer unglaublichen Gelassenheit über sich ergehen lassen. In dem Kleid hat sie sich erkennbar wohl gefühlt.

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Hier seht Ihr es noch mal in voller Länge. Es ist so wunderschön gefallen und zusammen mit der weißen Strumpfhose, dem süßen Mützchen von H&M und den Schühchen von der Oma ist ein ganz besonders niedlicher Look entstanden. Weil sie zu dem Zeitpunkt noch öfter gespuckt hat, habe ich aus dem kleinen Rest Spitze und Jersey noch ein Dreieckstuch genäht – dadurch war es tatsächlich möglich, nach der Kirche ein Foto zu machen, auf dem das Kleid noch wunderschön weiß und sauber war. Und das geht auch nur, wenn man selber näht – wer hat schon ein Spitzen-Sabberlätzchen passend zum Kleid?

Ihr spürt sicher: In dem Projekt steckte wirklich sehr viel Hirnschmalz und vor allem Herzblut. Ich habe es unter großem Zeitdruck genäht und trotzdem so viel Glück dabei verspürt.

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Weil ich damit für meine Tochter etwas Einmaliges schaffen konnte und dabei wieder gesehen habe, was für ein super schönes Hobby nähen ist. Und so sah Leonie an ihrem großen Tag in ihrem Taufkleid aus:

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Ich habe übrigens den Entstehungsprozess im Hobbyschneiderinnenforum in diesem Thread dokumentiert – wenn Ihr also noch mehr Fotos zu den einzelnen Nähschritten sehen wollt, könnt Ihr das dort verfolgen (sofern Ihr da angemeldet seid).

Und nun geht das Ganze noch zu:

Meitlisachekl zu Titelbild Linkparty Kiddi Kram, zurBanner300px2

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